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und immer kommt der Norden durch (NRZ, 20. Juli
2005)
Die Bezirksbürgermeisterin
von Flingern frischt jetzt eine alte Leidenschaft wieder auf: die Malerei |
Das erste
Rot kommt aufs Gelb: Malerin Gudrun Großer-Göbel beginnt ein
neues Bild. |
Eine Politikerin,
die malt? Nette Bildchen am Küchentisch, zur Entspannung? Das Vorurteil
passt nicht zu Gudrun Großer-Göbel. "Wenn schon, dann auch so
richtig", sagt die 61-jährige Vorsteherin im Bezirk 2 (Flingern und
Düsseltal). Sie kann zwar auf 30 Jahre Malerei zurückblicken,
auf mehr als 20 Ausstellungen, aber jetzt hat sie noch einmal so richtig
angefangen, verschiedene Techniken zu lernen. Und wenn sie nun in den Urlaub
fährt, auf die Nordsee-Insel Amrum, wird sie malen, malen, malen.
Denn im Oktober stellt die 61-jährige 40 Bilder in Schleswig-Holstein
aus, im "Herrenhaus Borghorst" bei Eckernförde. |
"Zack-Zack"
Rot in den Mohn
Als
sie für den Fotografen eine Leinwand grundiert, gewinnt ihr Temperament
die Oberhand: Mit schnellen, zielsicheren Schwenks des Schwammpinsels verteilt
sie lebensfroh-gelbe Acryl-Farbe auf der Fläche. "Zack-Zack" soll
es gehen - das scheint eines ihrer Lieblingswörter. Zwischen den Pinselstrichen
erklärt sie, warum schon beim Grundieren die Farbe fürs spätere
Bild wichtig ist, "bei ganz dunklen Flächen kommt zum Beispiel der
Rotton einer Mohnblüte später gar nicht raus."
Angefangen
hat Großer-Göbel vor 30 Jahren, neben dem Beruf bei der Awo,
mit Seidenmalerei, hat Stoffe und Kleider entworfen und auf Modenschauen
vorgezeigt. Dann malte jeder auf Seide, sie ging zu Aquarellfarben über.
Wie sie so energisch das Gelb auch mal mit der Hand verteilt, will ein
stilles, zartes Aquarell an der Wand, eine Blüte im Glas in Blautönen,
kaum zu ihr passen.
Auf
das Gelb der Leinwand kommen nun rote, gespachtelte Striche, "ich bin da
ganz handfest, wie in der Politik", meint sie lachend und holt mehr Rot,
dann Blau aus dem Misch-Töpfchen.
Als
sie 1993 für die SPD Bezirksvorsteherin wurde, stellte sie die Malerei
zurück, "da habe ich mich für die Politik entschieden." Keine
halben Sachen machen. Dazu passt auch, dass sie als Hobby-Malerin früh
ins norddeutsche Künstlerdorf Worpswede fuhr, um dort von Malern zu
lernen. Überhaupt, der Norden ...
"Ich komm
ja von dort oben", meint die in Schleswig-Holstein Geborene. Eines der
schönsten Komplimente war das eines Käufers, der meinte, "bei
Ihnen kommt der Norden immer durch in den Bildern." |
Worpswede
und Meisterklasse
Ein
bisschen Emil Nolde scheint da auf, ob in Blüten oder einem kraftvollen
Aquarell vom Nordseestrand im Zimmer ihres Mannes Frajo Göbel, dem
ehemaligen Sozial-Dezernenten.
Als
sie 2004 nach 23 Jahren Arbeit bei der Awo aufhörte, "da war klar:
Die Kinder sind aus dem Haus, ich muss nicht mehr arbeiten, jetzt will
ich malen." Neben der Politik blieb nun genug Zeit für die Staffelei.
Aber trotz Worpswede und der vielen Ausstellungen: Großer-Göbel
wollte noch einmal richtig zu den Grundlagen.
Jetzt
übt sie in der Meisterklasse der ASG am Südfriedhof Bleistiftzeichnungen,
malt mit Rötel- und Pastellkreide Portraits und geht mit Hannelore
Busch, einer Meisterschülerin von Beuys, in die Natur. Das kommt ihrem
norddeutschen Stil entgegen: Rheinauen, Weiden, Wiesen.
Proben
ihrer mal eher expressionistischen, mal gegenständlichen Bilder hat
Großer-Göbel jetzt in einer Internet-Galerie veröffentlicht,
die "ganz handfest" www.gudrun-grosser-goebel.de heißt. Als Politikerin
"öffentliche Person", scheut sie die Kritik ihrer Werke nicht. "Ich
muss da im Herrenhaus Borghorst vier Räume belegen", sagt sie plötzlich
und schaut auf das angefangene Bild, dessen Gelb jetzt dynamische rote
und blaue Pinselstriche bedecken. Keine Frage, sie wird genügend Werke
zusammen bekommen.
(Foto: Kai
Kitschenberg, NRZ) |
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